Di

08

Okt

2013

adidas Sickline: Joe Morley gewinnt das Ding!

foto by Birgit Stiebing
foto by Birgit Stiebing

Mit einem beeindruckenden Finallauf sicherte sich der 24-jährige Joe Morley aus Leeds in Großbritannien heute die Extremkajak WM Krone. Dabei ließ der Engländer nicht nur ein hochkarätiges Feld hinter sich, sondern auch den scheinbar unschlagbaren dreifachen Weltmeister Sam Sutton aus Neuseeland. Fast eine halbe Sekunde schneller als der Zweitplatzierte, demonstrierte Morley eindrucksvoll, dass er einer der schnellsten Extrempaddler auf diesem Planeten ist. Auch wenn Morleys Siegerzeit von 56,10 Sekunden nicht ganz so schnell war, wie der zuvor von Kiwi Jamie Sutton aufgestellt Streckenrekord (55,73), so reichte es doch um bei der 6. Auflage der adidas Sickline Extreme Kayak World Championship im Tiroler Ötztal die Goldmedaille zu gewinnen, vor dem Italiener Daniel Klotzner und dem Russen Egor Voskoboynikov (57,51).

foto by Birgit Stiebing
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150 der weltbesten Wildwasser-, Slalom- und Freestylepaddler aus 24 Nationen trafen im malerischen Ort Oetz aufeinander, um auf dem als Wellerbrücke bezeichneten Abschnitt der Ötztaler Ache, einer der schwierigsten und legendärsten Wildwasserstrecken der Welt, um Weltmeisterehren zu kämpfen. 

 

Die Wellerbrückenstrecke ist massives Wildwasser der Stufe 5, das heißt sowohl technisch schwierig als auch gefährlich. Jeder noch so kleine Fehler hat Konsequenzen. Die berühmt-berüchtigten Stromschnellen Champions Killer (der letzte Wasserfall der 280-meter langen Rennstrecke) und Champions Killer Minus 1 (die Walze oberhalb des Champions Killers) sind zugleich gefürchtet und beliebt bei den Extremkajakern, die alle großen Respekt vor dem Flussabschnitt haben, aber genauso darauf brennen, ihn zu bezwingen.

 

Die Teilnehmer sind sich einig, dass die adidas Sickline WM einzigartig ist, denn hier treffen Athleten der unterschiedlichsten Kajakdisziplinen – Extrempaddler, Slalomfahrer und Expeditionskajaker -  in einem Rennen aufeinander. Durch das Head-to-Head Format ist es schwierig überhaupt, ins Finale zu kommen. Jeder der 15 Finalisten, der das schafft, hat die Fähigkeit eine Medaille zu holen. Trotz des Konkurrenzkampfes um den Sieg, sagt die adidas Sickline Queen 2013 Nouria Newman (NZL), die all ihre Mitstreiter begeistert anfeuert: „Es ist Extremkajaken, da sichert man sich gegenseitig. Natürlich möchte man hier gewinnen, aber man will auch, dass seine Paddelkollegen heil unten ankommen.“

 

In den Viertel- und Halbfinalrunden an der Wellerbrücke dominierten die Kiwi-Brüder Sam und Jamie Sutton das Feld und fuhren die drei schnellsten Rennzeiten des Tages, was niemanden überraschte. Doch als der Wasserpegel im Tagesverlauf leicht anstieg, war es Morley, der die sich immer verändernde Sickline – also die perfekte, flüssigste und schnellste Linie stromabwärts – am besten traf.

foto by Birgit Stiebing
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Für den zweifachen Britischen U23 Meister im Kajak Slalom ist der Sieg bei der adidas Sickline WM der bisher größte Erfolg: „Drei Jahre lang haben 150 Jungs immer wieder versucht Sam Sutton zu schlagen. Es ist schwer genug die Wellerbrückenstrecke sauber runterzukommen, und dass ich dabei schneller war als alle anderen ist ein großartiges Gefühl. Ich habe mir dieses Jahr eine kleine Auszeit in Sachen Slalomfahren genommen und mich mehr auf das Wildwasserpaddeln konzentriert und das hat sich ausgezahlt. Ich habe mir gesagt es ist möglich. Mir ist einfach ein wirklich guter Lauf gelungen und das hat gereicht.“

 

Der 21-jährige Daniel Klotzner aus Italien, bisher ein unbeschriebenes Blatt in diesem Rennen, beeindruckte die Kajakkonkurrenz am meisten mit seiner Entwicklung. Im Jahr 2010 lag er noch auf dem 46. Rang, 2011 wurde der Südtiroler 23. und in diesem Jahr paddelte er sich zur Silbermedaille. „Ich bin so glücklich. Es war ein großartiges Rennen, mein bisher bestes bei der adidas Sickline WM. Allein ins Superfinale zu kommen war schon ein Riesenerfolg für mich. Jetzt stehe ich sogar auf dem Podium. Das ist der größte Erfolg meines Lebens!“

 

Dem Russen Egor Voskoboynikov (27) aus Moskau gelang bei seiner fünften Teilnahme an der Extremkajakweltmeisterschaft endlich der Sprung aufs Stockerl. Bekannt als herausragender Slalom- und Expeditionspaddler mit riesigen Händen und unglaublicher Kraft bewegte sich der Russe rasend schnell durch das Flachwasser und fand seine bisher beste Linie durch die großen Stromschnellen. “Ich habe versucht, superschnell durch die Flachpassage zu kommen. Dort habe ich die Hälfte meiner Kraft gelassen. Die andere Hälfte habe ich mir für den letzten Teil aufgehoben. Ich habe zwei Fehler gemacht, im oberen und im unteren Teil. Doch jeder macht Fehler, so wie ich auch, und ich bin froh, dass ich heute auf dieser Strecke zeigen konnte, was ich drauf habe.“

foto by Birgit Stiebing
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Zum erstem Mal in der Geschichte der adidas Sickline WM durften die Top 5 Damen der Qualifikation ihren Wettkampf um den Titel der adidas Sickline Queen auf der oberen Wellerbrückenstrecke austragen. Im letzten Jahr waren nur die Top 3 Damen zugelassen. Mit einer Siegerzeit von 2:12.28 nach zwei Läufen, wurde die 22-jährige Nouria Newman aus Frankreich zur schnellsten Frau der Wellerbrücke gekrönt. Platz 2 ging an die Neuseeländerin Toni George (2:40.46), Martina Wegman aus den Niederlanden wurde Dritte (2:53.41). 

 

Newman, die einen sehr sauberen zweiten Lauf hinlegte in einer Zeit, mit der sie sich gut in der Runde Top 48 Männer hätte behaupten können, sagt es hätte sich schon während der Fahrt gut angefühlt. „Ich habe etwas zu viel Wasser vor meinen Bug bekommen und wurde etwas weiter nach links gedrückt als es mir lieb war und habe daher den Fels in der letzten Schlüsselstelle ein wenig touchiert, was nicht gerade angenehm war, aber ich wusste, dass ich in der oberen Hälfte sehr gut war und bin ins Ziel gesprintet. Manchmal ist der Fluss stärker als man selbst, oder man kann das Wasser nicht richtig lesen, oder es läuft einfach nicht so rund, aber manchmal gelingt einem auch alles, so wie heute, und dann macht es so richtig Spaß.

foto by Birgit Stiebing
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Zwölf Frauen nahmen in diesem Jahr an der adidas Sickline WM teil, so viele wie noch nie zuvor. Für Newman war es das erste Mal und sie begründete ihre Teilnahme damit, dass sie die Bemühungen der Organisatoren, Frauen bei diesem Event zu unterstützen, sehr schätze. „Mir war klar, dass aufgrund des Preisgelds mehr Mädels am Start sein werden und so habe ich auch beschlossen hier mitzufahren. Und ich bin froh, denn als ich hier am Fluss ankam dachte ich mir, ich hätte von Anfang an dabei sein sollen, denn es ist eine wirklich tolle Stromschnelle, auch die Sektion oberhalb der Wellerbrücke. Die Umgebung und alles hier im Ötztal ist einfach toll, es gefällt mir sehr gut.“

 

Auch die Neuseeländerin Toni George war zum ersten Mal dabei: “Es ist auf jeden Fall eines der härtesten Rennen überhaupt. Für mich lief es ziemlich gut bis ich in den TNT Katarakt kam. Dort war ich etwas zu weit rechts und musste rollen, ich konnte mich aber ziemlich schnell wieder aufrichten und hatte ausreichend Geschwindigkeit, um durch den Champions Killer Minus One zu kommen. Dort musste ich auch noch einmal rollen und habe einfach nur versucht so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen.” 

foto by Birgit Stiebing
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Martina Wegman aus den Niederlanden, die Drittplatzierte des vergangenen Jahres fuhr auch in diesem Jahr auf Rang 3, nachdem sie gerade noch rechtzeitig zur Qualifikation in Oetz angekommen war. ‚Mrs. Goodlines’, wie sie in der Szene liebevoll genannt wird, sagte „mein Lauf war am Ende nicht so gut, wie ich es mir erhofft hatte. Ich bin erst sehr spät angereist und hatte Glück, dass ich überhaupt teilnehmen konnte. Ich bin dieses Jahr nicht so gut in Form und war gestern sehr müde. Nach meinem zweiten Lauf war ich erschöpft, vor allem weil es heute etwas kälter ist. Ich bin leider in einer Walze hängengeblieben und wirklich froh, dass ich überhaupt unten angekommen bin, denn ich war kurz davor meine Spritzdecke zu ziehen, daher freue ich mich sehr über die Platzierung. Es war sicher nicht mein bestes Rennen, aber mehr konnte ich nicht erwarten, dafür bin ich einfach zu spät angereist und habe zu wenig trainiert. Ich bin einfach nur glücklich, hier dabei zu sein. Dieser Event macht wahnsinnig viel Spaß.“

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